Mama denkt an Weihnachten und lädt zum Erstaunen ein

Wie bereits im letzten Eintrag beschrieben, erholte sich meine Mutter sehr schnell von ihrem Krankenhaus-Blues.
Schon im Krankenhaus sprach sie immer davon, dass sie Angst habe, ihr Hund würde sie nicht mehr erkennen und malte sich aus, wie sie ihn mit ein paar Würstchen begrüßen würde.
Als es soweit war, hatten wir tatsächlich besagte Würstchen organisiert und Mama, endlich zuhause, auf das Sofa gesetzt. Meine Schwester brachte den Hund herein, der verrücktspielte, sobald er meine Mutter sah. Lena musste ihn am Halsband festhalten, damit er sie nicht ansprang und auf ihren Schoß setzte. Er wollte nicht einmal die Würstchen von ihr nehmen.
Nun zuhause, setzte Mama alles daran, wieder auf die Beine zu kommen.
Neben dem eigentständigen Herumlaufen, den Klogängen und dem Frühstückmachen, schaffte sie es bald ab und an dank Duschsitz allein zu duschen. Sie wusch sogar ein paar Tassen und Teller ab und half mir beim Abtrocknen. Wir schafften es sogar noch zu dritt Mamas Puzzle anzufangen, das immer noch verpackt auf dem Schrank stand. Die Pflegerin, die das Puzzle auf dem Tisch entdeckte, war sehr erstaunt und gab das auch kund. Dass meine Mutter das noch könnte, mache sie fast sprachlos, meinte sie.
Ende Oktober sprachen wir darüber, wie wir Weihnachten verbringen wollten und was wir uns wünschten und gegenseitig schenken wollten. Die Pflegerin, die wieder dabei war, war mal wieder milde entsetzt, schaute von ihrer Arbeit am Bauch meiner Mutter auf und schüttelte nur den Kopf, als wolle sie uns den Mund verbieten. Wir waren alle relativ verständnislos. Schließlich wollte meine Mutter ja sogar über Weihnachten reden. Sie schmiedete ja selbst Pläne. Uns war nur zu bewusst, dass es eher unwahrscheinlich war, dass Mama Weihnachten noch erleben würde, doch sollten wir sie deshalb ausschließen? Über die Zukunft zu reden, auch wenn sie nur vier Wochen entfernt war, tat uns gut und hat uns Spaß gemacht.
Wir stellten uns dann gemeinsam vor, wie es wohl sein würde, würde meine Mutter Weihnachten noch leben und wir säßen mit unseren Geschenken unter dem Baum, hätten meine Mutter aber nicht mit eingeplant.
Allerdings wusste meine Mama anscheinend sehr genau, dass sie es nicht bis dahin schaffen würde. Als wir sie fragten, was sie sich denn wohl wünschte, hielt sie nachdenklich einen Moment inne.
Dann meinte sie sehr bescheiden, sie wünsche sich ein Spiel für ihre Nintendo Wii. Nicht mehr. Sonst fielen ihr eigentlich immer mehrere Bücher oder CDs ein, für die sie sich interessierte und die sie sich dann tatsächlich auch alle wünschte. Dieses Jahr war es nur das Spiel.

25.12.15 20:03

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